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Grusswort an die Gemeinde und ihre Gäste

IM BLICK JUNI 2018

Liebe Gemeinde,
wenn ich mit skeptischen, zweifelnden Menschen über den christlichen Glauben rede, komme ich mir manchmal so vor, als wollte ich einen Korb mit Wasser füllen. Ob ich es nun schnell oder langsam versuche, das Ergebnis ist immer dasselbe: Das Wasser läuft durch die Zwischenräume. Es bleibt allem Anschein nach nichts im Korb.
Auch wenn jedes Jahr im Frühjahr der Konfirmandenunterricht zu Ende geht, frage ich mich manchmal: Hat diese intensive Zeit mit den Heranwachsenden tatsächlich etwas gebracht? Hat sie die jungen Leute weitergebracht auf der Suche nach Gott und einem Sinn fürs Leben?
Eine Jugendliche stellt entmutigt fest: „Gern würde ich an Gott glauben, aber wenn ich versuche in der Bibel zu lesen, verstehe ich oft den Inhalt nicht.“ Manchmal haben mir auch schon gestandene Erwachsene voller Enttäuschung gesagt: „Ich war im Gottesdienst und kann hinterher nichts wiedergeben, von dem was dort gesprochen wurde.“ Macht es trotzdem Sinn, regelmäßig in die Kirche zu gehen oder Gruppen und Kreise unserer Kirchgemeinde zu besuchen?
Letzte Woche trafen sich Jugendliche aus Königswartha und aus Neschwitz zu einem gemeinsamen Junge Gemeinde Abend. Frau Bettina Steinmüller erzählte in einer Andacht in der Kirche die folgende Geschichte:
Am Rande der Wüste lebte ein Einsiedler. Eines Tages besuchte ihn eine Pilgerin und klagte ihr Leid: „Ich lese so viele fromme Texte. Ich studiere die Bibel und vertiefe mich in die großen Theologen. Ich möchte die Worte und Gedanken bewahren, aber es gelingt mir nicht. Alles vergesse ich! Die ganze mühevolle Arbeit des Lesens und Studierens ist umsonst.“
Der Einsiedler hörte aufmerksam zu. Dann zeigte er auf einen Binsenkorb. „Hol mir aus dem Brunnen dort drüben Wasser.“ Eifrig nahm die Frau den von Staub verschmutzten Korb. Das Wasser lief durch die Binsen, so dass nichts übrig war, als sie zurückkam. „Geh noch einmal!“, sagte der Eremit. Die Frau tat es. Ein drittes und ein viertes Mal musste sie gehen. Immer wieder füllte sie Wasser in den Korb, immer wieder rann es zu Boden. Nach dem fünften Mal rief sie: „Das hat keinen Sinn! Niemals kann so ein löchriger Korb das Wasser halten.“
"Sieh den Korb an“, sagte der Einsiedler, „Er ist sauber. So geht es dir mit den Worten, die du liest. Du kannst sie nicht festhalten, sie fließen durch dich hindurch und du hältst die Mühe für vergeblich. Aber sie klären deine Gedanken und machen dein Herz rein.“
(aus: "Oh!" Noch mehr Geschichten für andere Zeiten S. 30)
"Das hat doch keinen Sinn." Davon sind wir oft schnell überzeugt. Niemals kann ein löchriger Korb das Wasser halten! Es ist nicht zu erwarten, dass wir nach einem Sonntagsgottesdienst eine Predigt nacherzählen können. Darauf kommt es auch nicht an. Vielleicht ist es nur ein Gedanke, der uns weiter beschäftigt. Jeder Gottesdienstbesuch, alles Lesen in der Bibel, Gespräche über den Glauben oder Gebete können Stationen auf unserem Lebensweg sein. Sie helfen uns, uns zu orientieren. Dadurch können wir etwas spüren von Gottes Segen und von seinem Frieden.
Der Korb wird sauber, wenn immer wieder Wasser hindurchfließt. So sollten wir auch in der kommenden Zeit regelmäßig Gelegenheiten suchen, unsere Gedanken zu klären Denn wenn der Korb nicht regelmäßig mit Wasser in Berührung kommt, verstaubt er. Begegnungen mit anderen Christen, Gebete und das Bibellesen können dazu helfen, dass der Glaube an Gott lebendig bleibt oder wird. So können wir Sicherheit, Freude und Gelassenheit für unser Leben gewinnen. Diese Erfahrung wünsche ich Ihnen allen. Mögen Sie immer wieder Halt und Orientierung im christlichen Glauben finden.

Ich grüße Sie herzlich Ihre Pfarrerin Susanne Aechtner