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Grusswort an die Gemeinde und ihre Gäste

IM BLICK DEZEMBER 2018 JANUAR 2019

Liebe Gemeinde,
"Oma, schau mal", ruft der kleine Junge begeistert. Und eine Frau mit fast weißem Haar winkt dem Kind auf der Schaukel zu und strahlt. Sie musste sich erst ein bisschen daran gewöhnen, dass dieses Kind plötzlich zur Familie gehörte. Er sagte "Oma" Und sie fand: "Das hört sich ganz schön alt an." Aber nun ist es vor allem ein schönes Gefühl. Das Alter ist ja sowieso etwas, was relativ ist. Freilich gibt es im Alter Wehwehchen und auch ernsthafte Erkrankungen. Und man muss allerhand andere Probleme bewältigen, von denen die Jugend kaum eine Ahnung hat. Aber heißt das, dass die Meinung der Älteren nicht mehr gefragt ist? Heißt das, dass ich irgendwann nicht mehr gefragt bin?
Ich würde mich da gern an einen Rat halten, der M. Luther zugeschrieben wird. Er heißt: „Und wenn morgen die Welt unterginge, ich würde heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Vermutlich ist diese Weisheit nicht wirklich von Martin Luther. Aber das ist eigentlich auch egal. Diese etwas trotzig wirkende Aussage erinnert mich daran, dass der Herbst die Jahreszeit zum Pflanzen ist.
Und wie ist das nun mit dem Herbst des Lebens? Bäume pflanzt man im Herbst. Bis ein frisch gepflanztes Bäumchen dann Früchte trägt, dauert es oft mehrere Jahre. Das heißt, einen Baum pflanze ich vielleicht für mich, aber vor allem für die, die jetzt jung sind. Ist es nicht beeindruckend, dass es zu allen Zeiten Menschen gab, die an die nachfolgenden Generationen gedacht haben. Unsere Vorfahren haben gepflanzt, damit wir gesunde Früchte ernten können und gute Luft zum Atmen haben.
Oft unterstützen Großeltern ihre Kinder und Enkel. Sie versuchen die jungen Leute zu entlasten. Der Großvater dreht mit dem Kinderwagen eine Runde und steht später zuverlässig als Enkeltaxi zum Abholen vor der Schule. Die Großmutter übt das Einmaleins mit dem Nachwuchs und kocht tonnenweise Apfelmus mit den Enkeln. Das ist toll und hilft denen, die immer an der Grenze zum Burnout sind. So wurde die Situation heutiger Eltern kürzlich im Radio beschrieben. Ich glaube, Großeltern können noch mehr tun. Und hier denke ich durchaus nicht nur an Verwandte, sondern auch an die ältere Nachbarin oder an den Mann, der fast jeden Tag auf der Parkbank sitzt. Z.B. können sie Kindern und jungen Menschen erzählen, was sie in ihrem Leben getragen und ermutigt hat. Woraus sie Kraft geschöpft haben.
Kürzlich bekam ich das Kinderbuch „Opas Engel“ in die Hand. Darin erzählt ein Großvater seinem Enkel aus seinem Leben. „Junge, mir konnte keiner was.“ Der altersschwache Mann erinnert sich an die gefährlichen Gänse, den großen Hund, an Rangeleien auf dem Schulhof und wie er die Zeit des Krieges unbeschadet überstanden hat. Er schwärmt von seiner ersten Liebe und denkt an den Tag, als er Vater wurde und später Großvater. Die Illustrationen in dem Kinderbuch zeigen, es war im Laufe des Lebens so mancher Schutzengel nötig. „Mein Leben war schön, manchmal auch sonderbar, aber vor allem hatte ich viel Glück.“ Für den Opa hat Gott immer einen Engel geschickt, der die Dinge gefügt und ihn behütet hat. Das erzählt er seinem Enkel. Und er ist dankbar für dieses Kind, das jetzt bei ihm sitzt. Auch der Enkel wurde schon so manches Mal beschützt. Auf den letzten Seiten im Bilderbuch sieht man, wie der Junge heimgeht. Und ein Engel ist auch in seiner Nähe.
Ich glaube, das können Menschen, die viel Lebenserfahrung gesammelt haben, tun. Sie können erzählen, wie es ihnen gegangen ist. Ungeniert und ehrlich. Erzählen, wie Gott ihnen beigestanden hat. Damit die jungen Menschen wissen, worauf sie hoffen können. Alles andere wird Gott tun. Das scheint mir überhaupt wichtig, dass wir Älteren unsere Ansichten niemandem aufdrängen. Es geht um die Zukunft unserer Kinder und Enkel. Sie müssen entscheiden, wie sie leben wollen. Und ihre Zukunft wird anders sein als unsere Vergangenheit. Aber erzählen wie es war, Erfahrungen weitergeben, ich finde, das sollten wir tun. Was sie dann damit anfangen, das sollten wir ihnen überlassen und Gott. Er will eine gute Zukunft für seine Welt. Unsere Senioren haben hoffentlich Zeit, Apfelbäumchen zu pflanzen und zu pflegen. Im Kinderzimmer, in der Küche oder auf dem Spielplatz. Aber auch in der Politik, in der Kirche, beim Umweltschutz. Sie können Rat geben und Mut machen. Sie können von dem reden, worauf sie sich verlassen und woran sie glauben.
Wenn morgen die Welt unterginge, ich würde doch noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Mir scheint der Herbst des Lebens ist genau die richtige Zeit dazu.

Bleiben Sie behütet.
Susanne Aechtner